Tippgesang, Volume 2
Das hallende Wort hallt anhaltend.Du stehst einfach auf und sparst an Haltung. Dein Rücken ist krumm, dein Kopf gen Boden gesenkt, das Wasser steigt dir zu Kopf, der deine Augen ertränkt. Ab und zu wischst du, dein Gesichtszug weicht, ein leises Lächeln, der zum Weinen reicht. Und so seicht es auch sei, es kreischt Schreie hinaus, offenbart die Schönheit und die Farben eines Pfaus. Ein Widerspruch bebt und du erlebst, dass dein Schatten lebt und dein Grab gräbt. Du versucht ihn zu ziehen und auch wegzuschieben, von hier zu fliehen, wo deine Schatten blieben. Möchtest du lieben oder möchtest du gehen, ganz gleich was du wählst, ich werde nach dir sehen. Die Schatten drehen ihre großen Kreise und auf dieser Reise ziehe ich leise mit – Scheiße! – ich meine, was soll ich machen, wenn ich Sachen sehe, über ich nur lache. Wie mies muss es dir gehen, dass du anfängst zu sterben und mit den schönsten Farben die Fasssade zu färben.
Parabel
Die Brezel in meiner Hand schmeckt überhaupt nicht gut.
Ich beschließe, sie wegzuschmeißen.
Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht.
Stumme Stimme
Jetzt wird gewählt. Die Wahlurne wartet auf mich. Und wer von stummen Stimmen spricht, ist wahrscheinlich sowieso schon Nichtwähler.
Los! Raus! Wählen!
Tippgesang, Volume 1
Ich beschließe hier zu sitzen und einfach loszuschreiben, irgendwelche Sätze, die sich aufeinander reimen. Ein bisschen Tiefe muss sein, denn sonst müsste ich schreien, enttäuscht von mir selber, demütig am Boden bleiben.
Aber das wird sicher nicht geschehen, denn ich weiß das zu verhindern, auch wenn ich schreien müsste, die Schmerzen zu lindern. Mit Worte, die mich daran hindern, alles glücklich und zufrieden, auf der Welt wiederzufinden. Denn um tief schreiben zu können, muss man tief graben und Freude daran haben, sich an der Tauer zu laben. Aber das trauen sich die wenigsten, deshalb schreibe ich so einsam eher über die Sonne, die untergeht anstatt aufzusteigen.
Doch was ist schon tief - ich denke mal klugscheißen. So tun, als wüsste man alles besser ohne ein Besserwisser zu sein. Sowas geht völlig in Ordnung, ehrlich, ich bin nicht dagegen, aber man sollte konsequent bleiben und sich immer bewegen.
Das Liebesdreieck
liebe.
Diese Liebe.
Liebst sie, diese Liebe.
Es heißt immer nur „diese Liebe“.
Dieses Miststück, diese verdammte Liebe.
Es heißt, sie würde dir deinen Arsch retten, diese Liebe.
Du gehst fremd mit der Liebe, warum gehst du fremd mit dieser Liebe?
Und du fickst mit der Liebe und die Liebe täuscht dich und zieht die Maske ab.
Ich bin gar nicht die Liebe sagt sie und du sackst dann traurig zusammen.
Ich bin die Täuschung und die Liebe ist meine Freundin.
Ich vertraue ihr so, dieser schönen Liebe.
Es heißt immer nur „diese Liebe“.
Liebst sie, diese Liebe.
Diese Liebe.
Liebe.
Es ist wie es ist
tropfende Steine,
singende Blüten,
verwirrtes Netz,
beschlagene Träume,
besungene Bäume,
schmerzende Kiesel,
unverhofft kommt oft,
versierte Gedanken,
befreite Bahnen,
ironische Melancholie,
abendlicher Morgen,
betrauerte Leben,
grinsende Helden,
schneiender Regen,
träumende Tote,
verschwundene Schätze,
kämpfende Sätze,
teuflische Engel:
es ist wie es ist.
Verlorene Augen
Dieses Gedicht ist in einem netten ICQ-Gespräch mit Klassenkameradin Lisa G. entstanden.
Lisa, ich weiß es
das Leben ist scheisse,
man verliert staendig Augen
und schickt sie auf die Reise
Du hast schon drei verloren,
vielleicht noch mehr,
man kann nicht alles ersetzen,
auch wenn es schoen waer.
Du begibst dich auf die Suche,
nach verlorenen Augen,
schaust dich langsam um
und kannst ihnen nicht trauen:
Ueberall blinde Seelen,
keiner kann sehen,
schaust in den Spiegel
und beschließt zu gehen...